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Bodentage an der LFS Obersiebenbrunn

Für den Mai organisierte FL Ernst Ambros für die 2. und 3. Klasse Landwirtschaft eine Exkursion ins Waldviertel. Auf der Fahrt nach Schrems war der Unterschied in der Entwicklung der Vegetation zwischen Marchfeld, Horner Becken und oberem Waldviertel  deutlich zu erkennen. Auch die unterschiedlichen Feldgrößen und Landschaftselemente blieben nicht unendeckt.

Unser erstes Ziel war die GEA Schufabrik in Schrems. Dort werden von 170 Mitarbeitern in etwa 50 Arbeitsschritten pro Schuh, jährlich ca. 100.000 Paar Schuhe hergestellt. Noch einmal soviele Schuhe werden im Auftrag von GEA in Ungarn und Tschechien gefertigt. In Schrems werden von GEA auch noch Kleinemöbel hergestellt. Ein Motto der treibenden Kraft der Waldviertler Schuhwerkstätte, Heini Staudinger, drückt auch die Wünsche der meisten Bauern aus, nämlich  soviel für ein Produkt zu bezahlen, dass die Erzeuger davon leben können. Waldviertler Schuhe werden in der Preisklasse zwischen 100 und 200 € verkauft. Mit diesen Verkaufspreisen ist die Schuherzeugung im Waldviertel möglich, ohne Mitarbeiter oder die Umwelt auszubeuten. Allerdings wird GEA nicht als gewinnoptimiertes Unternehmen geführt. GEA bildet auch laufend Lehrlinge im Handwerk des Schumachers aus. Die Bewerbung von Schülern um solche Lehrstellen ist aber sehr überschaubar. Nach der Auslagerung fast aller österreichischen Schuhfabriken in Billiglohnländer des Fernen Ostens, ist GEA in der Region einer der größten Arbeitgeber.

Nach dem Mittagessen besuchten wir die Schremser Brauerei der Familie Trojan. Beginnend bei der Erklärung der Bedeutung des weichen Wassers für die Bierherstellungen, erfuhren wir bei einem Rundgang durch die Brauerei die weiteren Schritte zur Schaffung von untergärigem Bier, also der Gärung bei kühlen Temperaturen. Die Gerste wird von Bauern um Schrems im Auftag der Brauerei produziert. Gemälzt wird in der STAMAG in Wien, der Hopfen wird in Pelletform aus Deutschland zugekauft. Im Anschluß an die Führung durften die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Exkursion in schülergerechten Dosen verschiedene Schremser Biersorten kosten. Die Schremser Brauerei beschäftigt 35 Personen und bildet Lehrlinge zum Brauer und Mälzer aus. Im Unterschied zu den meisten österreichischen Brauereien ist jene in Schrems ein überschaubarer Mittelbetrieb der mit viel Engagement in diesem von internationalen Braukonzernen dominierten Markt besteht.

Anschließend fuhren wir zur Firma Waldland in Oberwaltenreith. Aus dem 1984 vom Edelhofer Schuldirektor Adolf Kastner gemeinsam mit 70 Landwirten aus der Region gegründeten Verein für Sonderkulturen entwickelte sich im Laufe der Zeit ein Verein mit 800 Mitgliedern und 150 Mitarbeitern. Auf 5000 ha werden etwa 60 Sonderkulturen erzeugt und bei Waldland zu Rohstoffen für Pharmazie, Kosmetik, Nahrungsmittel-, Textil- und Kosmetikindustrie weiterverarbeitet. Das flächenmäßig größte Produkt ist mit 1100 ha der Graumohn, es werden aber auch 150 ha Roggenpollen, 120 ha Ginkoblätter und 50 ha Schnittlauch verarbeitet. Die Anbauflächem befinden sich im Waldviertel auf Seehöhen von 400-900 m, wodurch sich abgestufte Erntetermine ergeben. Viele Maschinen für Ernte und Verarbeitung werden von den Mechanikern von Waldland gebaut oder müssen adaptiert werden.
Waldland produziert auch Pflanzenöl für Antriebe von landwirtschaftlichen Maschinen. Dieses Öl muß nach dem Pressen für die technische Nutzung nachgereinigt werden. Waldland rüstet auch Motoren landwirtschaftlicher Maschinen zum Antrieb mit Pflanzenöl um und hat damit gute Erfahrungen gemacht. Das von einem ha Sonnenblumen oder Raps gewonnene Pflanzenöl reicht für die Bearbeitung von ca. 10 ha Ackerfläche aus und stellt für Landwirte welche von Eröl unabhängiger werden wollen eine erprobte Alternative dar.

Begleitet wurde die Exkursion noch von Frau FL Pribitzer, Dechant Brunner und FL Kastelliz. Die lange Fahrt wurde auch durch schöne Ausblicke auf die malerische Landschaft und  verschiedene Baudenkmäler dieses Landstriches belohnt. Klar wurde uns auch, auf welche Art in Österreich täglich 22 ha landwirtschaftlicher Fläche aus der Produktion genommen werden.

DI Arno Kastelliz